Verkehr & Stadtentwicklung

FRM9: So soll der Radweg von Seligenstadt zum Flughafen aussehen

Wo der FRM9 startet, wie breit die Wege werden sollen und warum erste Teilstücke erst ab 2029 nutzbar sein könnten.

Übersichtskarte mit der rot markierten FRM9-Vorzugstrasse von Seligenstadt über Rodgau, Dietzenbach, Dreieich und Neu-Isenburg zum Flughafen Frankfurt; Schraffur kennzeichnet eine langfristige Variante.
Der FRM9 soll Seligenstadt über Rodgau, Dietzenbach, Dreieich und Neu-Isenburg mit dem Flughafen verbinden. Dargestellt ist die Vorzugstrasse; die Schraffur markiert eine langfristige Variante. Karte: INOVAPLAN GmbH / PGV-Alrutz GbR; Kartengrundlage: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2022).

Der geplante FRM9 soll Seligenstadt mit dem Flughafen verbinden – und schon auf kürzeren Alltagswegen helfen. Jetzt wird klarer, wo die Strecke starten und welche Qualität sie bekommen soll.

Das Wichtigste kompakt

Der Einstieg liegt am Westring

Wer künftig aus Seligenstadt auf den FRM9 wechseln möchte, soll ihn hinter dem Kreisverkehr Dudenhöfer Straße/Westring erreichen. Dort ist der Anschluss an das bestehende städtische Radwegenetz vorgesehen. Anschließend führt die geplante Verbindung auf der Nordseite der Landesstraße L 3121 in Richtung Rodgau. Der straßenbegleitende Radweg soll in beiden Richtungen genutzt werden können.

Damit ist der vorgesehene Einstiegspunkt benannt. Wie die Zufahrten aus den einzelnen Seligenstädter Wohngebieten und Stadtteilen im Detail gestaltet oder verbessert werden, geht aus den Angaben des Regionalverbands bislang nicht hervor.

Über Rodgau und Götzenhain bis zum Terminal 2

Die in der hessischen Projektübersicht mit rund 38 Kilometern angegebene Verbindung verläuft nicht zur Frankfurter Innenstadt. Sie führt quer durch den Kreis Offenbach zum Flughafen und verbindet dabei mehrere Kommunen miteinander.

Ab Seligenstadt geht es zunächst entlang der L 3121 und anschließend an der Kreisquerverbindung K 174/K 173 in Richtung Dietzenbach und weiter nach Dreieich-Götzenhain. Zu den wichtigen Kreuzungspunkten gehören nach Angaben des Regionalverbands die Dudenhöfer Straße in Rodgau und die Offenthaler Straße.

Von Dreieich führt die Route entlang der L 3317 und L 3313 nach Neu-Isenburg. Dort sind die Neuhöfer Straße, die Carl-Ulrich-Straße und die Bahnüberführung Teil der vorgesehenen Strecke. Außerdem kreuzt der FRM9 die Radverbindung FRM1 zwischen Darmstadt und Frankfurt.

Westlich der Bahn geht es am Busbahnhof und am Park-and-Ride-Platz vorbei durch den Wald zur Frankfurter Stadtgrenze. Über den Isenburger Kreisel soll die Verbindung Gateway Gardens erreichen. Als Endpunkt nennt der Regionalverband den Hugo-Eckener-Ring im Bereich des Terminals 2.

Die vollständige Trassenkarte lässt sich als PDF vergrößert ansehen. Sie zeigt die ausgewählte Vorzugsroute, noch keinen fertigen Bauplan. Schraffierte Bereiche sind in der Legende als langfristige Variante gekennzeichnet.

Warum ausgerechnet zum Flughafen?

Hinter dem Projekt steht nicht die Erwartung, dass alle Radfahrenden täglich die gesamte Strecke bewältigen. Der FRM9 soll den Osten der Region mit dem Flughafen und den Arbeitsplatzstandorten entlang der Route verbinden. Ebenso wichtig sind kürzere Wege zwischen benachbarten Orten sowie die Anbindung an Bahnhöfe, Schulen und Ausbildungsstätten. Auch Freizeitfahrten sollen von der Verbindung profitieren.

„Wir wollen, dass mehr Menschen aufs Rad steigen, weil es ihren Alltag leichter macht“, sagt Rouven Kötter, Erster Beigeordneter und Mobilitätsdezernent des Regionalverbands FrankfurtRheinMain. „Ob zur Arbeit, zum Bahnhof oder in den Nachbarort: Radfahren soll einfacher werden und Freude machen.“ Als größten Gewinn bezeichnet er „mehr Freiheit bei der Wahl, wie wir unterwegs sind“.

Rouven Kötter mit einem Fahrrad auf einem asphaltierten Radweg vor Bäumen.
Der FRM9 soll nicht nur Fahrten zum Flughafen erleichtern, sondern auch den Weg zur Arbeit, zum Bahnhof und in den Nachbarort. Mobilitätsdezernent Rouven Kötter sieht darin mehr Freiheit bei der Verkehrsmittelwahl. Bild: Regionalverband FrankfurtRheinMain.

Warum die Route über Götzenhain führt

Die Trassenwahl beruht auf einer Machbarkeitsstudie. Ausgangspunkt war eine landesweite Untersuchung geeigneter Radverkehrskorridore aus dem Jahr 2019. Anschließend wurde für die Verbindung zwischen Seligenstadt und dem Flughafen genauer geprüft, welche Strecke sich technisch umsetzen lässt, wie aufwendig der Bau wäre und wie sicher die Führung für die verschiedenen Verkehrsteilnehmenden ausfallen könnte.

Die Kurzfassung der Machbarkeitsstudie vom Juni 2023 zeigt, dass insbesondere westlich von Dietzenbach unterschiedliche Wege untersucht wurden: eine Führung entlang der B 459 und L 3117 nach Neu-Isenburg, die schließlich bevorzugte Verbindung über Götzenhain sowie eine Route durch Dreieich und über Zeppelinheim zum südöstlichen Flughafenbereich. Mit Kombinationen dieser Möglichkeiten wurden insgesamt fünf Varianten vertieft betrachtet.

Für die ausgewählte Strecke spricht nach Einschätzung des Regionalverbands die Kombination aus technischer Umsetzbarkeit, vertretbarem Bauaufwand und Verkehrssicherheit. In die Abwägung flossen außerdem möglichst direkte Wege und kurze Fahrzeiten, die Nutzung bestehender Straßen und Wege, benötigte Grundstücke und der Naturschutz ein. Hinzu kamen die Erreichbarkeit von Wohngebieten, Bahnhöfen und größeren Arbeitsplatzstandorten sowie die fachliche und politische Abstimmung mit den beteiligten Kommunen.

Radschnellweg genannt, als Raddirektverbindung geplant

Der FRM9 wird häufig als Radschnellweg bezeichnet. Der Regionalverband stellt für die weitere Planung jedoch ausdrücklich die hessischen Qualitätsstandards einer Raddirektverbindung in Aussicht. Für die spätere Nutzung sind deshalb weniger der Name als die konkreten Ausbauziele entscheidend.

Vorgesehen ist eine weitgehend durchgängige, breite und vom Autoverkehr getrennte Verbindung. Die Wege sollen ausreichend Platz bieten, um einander zu begegnen und sicher zu überholen. Mindestens 80 Prozent der Gesamtstrecke sollen den angestrebten Standard einer Raddirektverbindung erreichen. Wo Abweichungen nötig werden, kann der Regionalverband derzeit noch nicht konkret benennen.

Innerorts nennt der Verband Mindestbreiten von zwei Metern für Wege in einer Fahrtrichtung und drei Metern für Wege in beiden Fahrtrichtungen. Außerorts wird eine Breite von mindestens vier Metern angestrebt. Asphalt oder Beton sollen eine gleichmäßige Oberfläche und eine komfortable Fahrt ermöglichen.

Durch direkte Wege und möglichst wenige Stopps soll eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Stunde möglich werden. Größere Steigungen sollen vermieden werden; als Ziel nennt der Verband Steigungen von möglichst weniger als sechs Prozent.

Weniger Warten an Kreuzungen

Auch die Kreuzungen entscheiden darüber, ob die Verbindung im Alltag einen Vorteil bringt. Radfahrende sollen dort überwiegend Vorrang erhalten. Wo Ampeln erforderlich sind, soll deren Steuerung die Wartezeiten möglichst kurz halten.

Als Planungsziel nennt der Regionalverband durchschnittliche Zeitverluste durch Warten und Anhalten von höchstens 15 Sekunden je Kilometer außerorts und 30 Sekunden je Kilometer innerorts. Das sind Durchschnittswerte für die Strecke, keine zugesagten Höchstwartezeiten an jeder einzelnen Ampel.

Eine bedarfsgerechte und naturschutzverträgliche Beleuchtung ist insbesondere an Kreuzungen und auf stark genutzten Abschnitten vorgesehen. Eine durchgehende Beleuchtung der gesamten Route wird damit nicht zugesagt. Gute Sichtverhältnisse und genügend Platz sollen zusätzlich für Sicherheit sorgen.

Alle diese Angaben beschreiben Ziele der Planung, noch keine abgeschlossene Ausführung. Örtliche Gegebenheiten sowie Anforderungen des Natur- und Baurechts können Anpassungen erforderlich machen. Für solche Stellen sollen geeignete Alternativen entwickelt werden.

Baustart frühestens 2028, erste Teilstücke möglicherweise 2029

Derzeit laufen die Entwurfsplanungen für zwei erste Realisierungsabschnitte an der Kreisquerverbindung und in Neu-Isenburg an. Sie sollen im Oktober 2027 abgeschlossen werden. Anschließend folgt die Genehmigungsphase.

Auf dieser Grundlage erwartet der Regionalverband einen Baubeginn frühestens 2028. Erste fertiggestellte Teilstücke könnten ab 2029 befahrbar sein – vorausgesetzt, Genehmigungen, Vergaben und Bauarbeiten kommen entsprechend voran. Nutzbare Abschnitte sollen nach ihrer Fertigstellung möglichst zügig freigegeben werden.

Für Seligenstadt ist eine Unterscheidung wichtig: Aus diesem Zeitrahmen lässt sich noch kein konkreter Baustart für den Abschnitt von Seligenstadt in Richtung Rodgau ableiten. Auch eine verbindliche Reihenfolge, welche Teilstrecke zuerst genutzt werden kann, nennt der Regionalverband nicht. Ein belastbarer Termin für die Fertigstellung der gesamten Verbindung bis zum Flughafen fehlt weiterhin.

Projektleiterin Brit Scherer setzt auf die Zusammenarbeit der beteiligten Kommunen und des Kreises Offenbach: „Diese konstruktive Zusammenarbeit bringt uns voran – von der Planung über die Genehmigung bis zum Bau.“ Das gemeinsame Ziel sei „eine Verbindung, die die Menschen im Alltag gerne nutzen“.

Für Radfahrende aus Seligenstadt sind damit der geplante Einstieg, der Verlauf und die angestrebte Qualität deutlich greifbarer. Wann der neue Weg direkt vor Ort tatsächlich zur Verfügung steht, bleibt dagegen offen.

Quelle: Regionalverband FrankfurtRheinMain vom 6. Oktober 2026; Machbarkeitsstudie FRM9 vom 30. Juni 2023; Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen, Projektübersicht FRM9 (Abruf: 6. Oktober 2026), jepu.

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