Eine neue Apotheke ist für Froschhausen derzeit nicht in Sicht. Die Rathauskoalition bringt deshalb eine andere Lösung ins Gespräch: Arzneimittel könnten künftig über ein Terminal in einer Sparkassenfiliale bestellt werden.
Das Wichtigste kompakt
- CDU, FDP und Freie Wähler Seligenstadt (FWS) wollen prüfen lassen, ob ein Apotheken-Terminal die Arzneimittelversorgung in Froschhausen ergänzen kann. Als Standort kommen Räume der Sparkasse Langen-Seligenstadt infrage.
- Vorbild ist Fränkisch-Crumbach im Odenwald. Dort lassen sich E-Rezepte am Terminal ohne Smartphone einlösen; die bestellten Medikamente werden anschließend zugestellt.
- Der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss berät den Antrag erstmals am Montag, 26. Oktober 2026, um 19 Uhr. Über die Einrichtung eines Terminals ist noch nicht entschieden.
Sparkassenfiliale als möglicher Standort
Mit ihrem gemeinsamen Antrag wollen die Koalitionsfraktionen CDU, FDP und FWS zunächst die Voraussetzungen für einen solchen Service klären. Der Magistrat soll Gespräche mit den Apotheken in Seligenstadt und, falls erforderlich, auch mit Anbietern aus dem näheren Umland führen. Zugleich soll die Sparkasse Langen-Seligenstadt angesprochen werden, um die Eignung ihrer Räumlichkeiten zu prüfen.
Hintergrund ist die fehlende Aussicht auf eine neue Apotheke im Stadtteil. Die Fraktionen sehen in einem Bestellterminal insbesondere für ältere Menschen und für Bürgerinnen und Bürger ohne Smartphone eine mögliche Erleichterung. Eine Zusage der Sparkasse oder einer Apotheke liegt mit dem Antrag allerdings noch nicht vor.
Wie das Vorbild im Odenwald arbeitet
In Fränkisch-Crumbach wurde nach der Schließung der Rodenstein-Apotheke Ende September 2025 eine solche Versorgungslösung eingerichtet. Dahinter steht Marcus Unger, Inhaber der Schloss-Apotheke in Erbach. Das Terminal befindet sich in einer Filiale der Sparkasse Odenwaldkreis, in einem Raum neben dem Selbstbedienungsbereich. Es ist nach Betreiberangaben täglich zwischen 5 und 24 Uhr zugänglich.
Das Gerät ist kein Verkaufsautomat, aus dem Medikamente unmittelbar ausgegeben werden. Stattdessen können Versicherte ihre elektronische Gesundheitskarte einlesen und damit E-Rezepte an die angeschlossene Apotheke übermitteln. Eine Smartphone-App oder vorherige Registrierung wird nicht benötigt. Auch Papierrezepte und Einkaufslisten können über eine Fotofunktion eingereicht werden.
Die Medikamente bringt nach Angaben des Betreibers ein kostenloser Botendienst nach Hause, üblicherweise am selben Tag oder spätestens am folgenden Werktag. Die Bezahlung ist beim Boten bar oder mit Karte möglich. Alternativ können Bestellungen in der Schloss-Apotheke in Erbach oder in der Florian-Apotheke in Lautertal abgeholt werden. Für pharmazeutische Rückfragen stehen die Apothekenmitarbeitenden während der Öffnungszeiten telefonisch zur Verfügung.
Von der Idee zur Versorgungslösung
Ob sich das Modell auf Froschhausen übertragen lässt, hängt von mehreren bislang offenen Punkten ab: Eine Apotheke müsste den Betrieb und die Belieferung übernehmen, die Sparkasse geeignete Räume bereitstellen und die technischen sowie wirtschaftlichen Voraussetzungen müssten stimmen. Persönliche Beratung und unmittelbare Medikamentenausgabe einer Apotheke vor Ort könnte ein Terminal nicht vollständig ersetzen.
Der erste politische Schritt ist die Beratung am 26. Oktober im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss. Der gemeinsame Antrag steht als Tagesordnungspunkt 13 auf der öffentlichen Sitzung im großen Sitzungssaal des Seligenstädter Rathauses am Marktplatz 1.
Quelle: CDU, FDP, FWS; Sparkasse Odenwaldkreis; Schloss-Apotheke Erbach, jepu