Verkehr & Stadtentwicklung

Glasfaser in Seligenstadt: 990 Hausanschlüsse gebaut – was noch fehlt

Glasfaser in Seligenstadt: 990 Hausanschlüsse sind gebaut. Was noch fehlt, was kostenlos ist und was ein Anschluss später kostet.

Karte der Westconnect-Ausbaugebiete für Glasfaser in Seligenstadt Nord und Mitte
Die Karte zeigt den Stand des Glasfaserausbaus in Seligenstadt Nord und Mitte. Orange markierte Bereiche sind bereits in Betrieb, blau markierte Bereiche sollen noch aktiviert werden. Karte: Westconnect.

In Seligenstadt Nord und Mitte wächst das Glasfasernetz. Für viele Eigentümer stellt sich jetzt die Frage, wann sie es nutzen können und wie lange der Anschluss noch kostenlos bleibt.

Das Wichtigste kompakt

Was in Seligenstadt bereits gebaut ist

Die Glasfaserinfrastruktur im öffentlichen Bereich ist nach Angaben von Westconnect weitgehend fertiggestellt. „Der Abschluss des Glasfaserausbaus bis Ende 2026 ist weiterhin realistisch“, erklärt Westconnect-Pressesprecherin Karla Hültenschmidt.

Für die rund 590 weiteren Hausanschlüsse, die derzeit zum Bau vorgesehen sind, liegen dem Unternehmen bereits Grundstückseigentümererklärungen vor. Sie gestatten die Erschließung des Grundstücks. Wann die Arbeiten stattfinden, hängt von der individuellen Terminvereinbarung ab. Zugleich kommen weitere Bestellungen hinzu; die Zahl der geplanten und im Bau befindlichen Anschlüsse verändert sich deshalb laufend.

Die rund 5.950 Haushalte und Gewerbetreibenden beschreiben das Potenzial des Ausbaugebiets. Daraus lässt sich durch Vergleich mit den 990 gebauten Hausanschlüssen keine verlässliche Anschlussquote errechnen: Ein Hausanschluss kann beispielsweise mehrere Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus versorgen. Ebenso wenig bedeutet die Differenz, dass alle übrigen Haushalte auf einen bereits bestellten Anschluss warten.

Die Ausbaukarte von Westconnect zeigt den technischen Stand in den einzelnen Netzbereichen. Orange kennzeichnet Gebiete, in denen das Netz bereits in Betrieb ist. In den blauen Bereichen steht die Inbetriebnahme noch bevor. Diese Farbzuordnung sagt nicht aus, dass jeder Haushalt innerhalb einer orangefarbenen Fläche bereits einen aktiven Internetvertrag über Glasfaser nutzt.

Warum ein gebauter Anschluss noch kein laufender Internetzugang ist

Am 18. September meldete die Einhardstadt Seligenstadt mehr als 100 Kunden, die bereits über das neue Netz im Internet surften. Die inzwischen genannten 990 Hausanschlüsse sind eine andere Größe. Westconnect nennt zum 6. Oktober weder eine aktualisierte Zahl aktiver Kunden noch die genaue Zahl fertiggestellter, aber noch nicht freigeschalteter Anschlüsse.

Zwischen dem Bau und der Nutzung liegen mehrere Schritte: Der Hausanschluss muss hergestellt, das Netz im jeweiligen Bereich in Betrieb genommen und der Anschluss für den gebuchten Dienst freigeschaltet werden. In manchen Haushalten läuft außerdem noch der Vertrag beim bisherigen Anbieter. Andere haben zwar einen Anschluss, aber noch keinen Glasfasertarif gebucht.

Eine durchschnittliche Wartezeit von der Bestellung bis zur Schaltung kann Westconnect nicht nennen. Der Ablauf hänge von unterschiedlichen Faktoren ab. Das Unternehmen passe auch die Reihenfolge einzelner Arbeitsschritte an, um den Ausbau insgesamt schneller voranzubringen. Aus einer bereits fertiggestellten Straße lässt sich deshalb kein verbindlicher Schalttermin für ein einzelnes Haus ableiten.

Wer auf seinen Hausanschluss wartet

Für bereits bestellte, aber noch nicht gebaute Hausanschlüsse verweist Westconnect auf den Baupartner Libra GmbH. Dort können Eigentümer den Termin abstimmen. Der Kontakt lautet 02552 9279697 oder wco@libra-gmbh.com.

Die Angaben beziehen sich auf das Westconnect-Ausbaugebiet Seligenstadt Nord und Mitte. Froschhausen und Klein-Welzheim gehören nach Auskunft des Unternehmens nicht dazu. Einen weiteren Ausbauzeitplan für diese beiden Stadtteile nennt Westconnect nicht. Daraus lässt sich keine Aussage über Angebote oder Ausbauvorhaben anderer Netzbetreiber ableiten.

Was während der Bauphase noch kostenlos ist

Westconnect bestätigt, dass der Hausanschluss bis zum Abschluss der Bauarbeiten noch kostenlos erhältlich ist. Die örtliche Ankündigung vom 18. September nennt dafür zwei Voraussetzungen: Für die Adresse muss eine Grundstückseigentümererklärung vorliegen und ein Glasfasertarif von E.ON Highspeed oder den Partnern 1&1 beziehungsweise Maingau gebucht werden. Die Kostenfreiheit betrifft die Herstellung des Anschlusses; der Internetvertrag selbst ist kostenpflichtig.

Bei Mehrfamilienhäusern ab drei Wohneinheiten bietet Westconnect während dieser Phase zusätzlich die Verkabelung bis in die einzelnen Wohnungen kostenlos an. Dafür ist eine entsprechende Gestattung erforderlich. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern müssen Eigentümer die Verkabelung innerhalb des Gebäudes selbst organisieren.

Die kostenlose Phase endet mit dem Abschluss der Bauarbeiten. Das Ausbauziel Ende 2026 ist deshalb keine Zusage, dass Bestellungen bis zum 31. Dezember zu diesen Konditionen möglich bleiben. Einen konkreten Kalendertag für das Ende der Aktion nennt Westconnect nicht.

Welche Kosten später entstehen können

Nach dem Ausbau nennt Westconnect für einen Hausanschluss mit bis zu 50 Metern Rohrgraben einen Betrag von 1.547 Euro brutto. Das zugehörige Preisblatt unterscheidet jedoch mehrere Varianten. Ein späterer Anschluss kostet daher nicht in jedem Fall denselben Betrag.

Leistung Preis inklusive Mehrwertsteuer
Hausanschluss bis 30 Meter Rohrgraben 1.243,55 Euro
Hausanschluss bis 50 Meter Rohrgraben 1.547,00 Euro
Hausanschluss über 50 Meter Rohrgraben Individuelles Angebot
Hausanschluss bei vorhandener und angeschlossener Rohranlage 398,65 Euro
Nachträgliche Gebäudeverkabelung in Mehrfamilienhäusern ab drei Wohneinheiten 800,00 Euro je Wohnung

Die Meterangaben beziehen sich auf den Weg von der Grundstücksgrenze zum Hausanschlussraum. Muss die Leitung im öffentlichen Straßenbereich um mehr als 25 Meter verlängert werden, ist ein individuelles Angebot vorgesehen. Die günstigere Variante mit vorhandener Rohranlage setzt einen bestehenden Vorab-Hausanschluss voraus und umfasst keine Tiefbauarbeiten. Für die Montage eines weiteren Glasfasermodems an einem vorhandenen Teilnehmeranschluss führt das Preisblatt zusätzlich 261,80 Euro auf.

Der Hausanschluss endet am Glasfaser-Abschlusspunkt im Hausanschlussraum und bleibt Eigentum von Westconnect. Die ausgewiesenen Anschlusskosten sind ein Baukostenzuschuss. Die Leitungen von dort in die Wohnungen gehören nicht automatisch zum Hausanschluss. Die 800 Euro für eine nachträgliche Gebäudeverkabelung fallen je Wohnung an, nicht einmal für das gesamte Mehrfamilienhaus.

Westconnect verweist für die Auskunft vom 6. Oktober auf das Preisblatt mit der Kennung „OFF-902_V1 01.25“. Es nennt eine Preisgültigkeit ab 1. Mai 2024 und ist die Grundlage der hier aufgeführten Beträge.

Warum Glasfaser langfristig wichtig ist

Glasfasern übertragen Daten als Lichtsignale durch dünne Fasern aus Glas. Sie ermöglichen hohe Datenraten beim Herunterladen und beim Hochladen. Die Bundesnetzagentur beschreibt Glasfaser als weniger störanfällig und im Netzbetrieb energiesparender als herkömmliche Kupferleitungen.

Der Nutzen zeigt sich besonders, wenn viele Anwendungen gleichzeitig laufen: Videokonferenzen im Homeoffice, Streaming, die Übertragung großer Dateien oder Datensicherungen in der Cloud. Auch Unternehmen, digitale Verwaltungsangebote und telemedizinische Anwendungen benötigen verlässliche Verbindungen. Hohe Uploadraten sind dabei ebenso wichtig wie schnelle Downloads.

Entscheidend ist, wie weit die Glasfaser reicht. FTTH, „Fibre to the Home“, bedeutet Glasfaser bis in die Wohnung beziehungsweise bis zum Anschluss im Einfamilienhaus. Bei FTTB, „Fibre to the Building“, endet sie im Gebäude, etwa im Keller. Die weitere Strecke bis in die Wohnung kann dann beispielsweise über Kupfer- oder Koaxialleitungen führen.

Der langfristige Vorteil liegt in den Leistungsreserven der Faser. Der britische Regulierer Ofcom beschreibt, wie leistungsfähigere Übertragungstechnik auf bestehenden Glasfasernetzen eingesetzt werden kann. Höhere Datenraten erfordern daher nicht bei jeder Weiterentwicklung neue Leitungen im Boden. Welche Geschwindigkeit ein Haushalt tatsächlich erreicht, hängt außerdem vom gebuchten Tarif, dem Netz des Anbieters, dem Router und der Verkabelung beziehungsweise dem WLAN zu Hause ab. Ein leistungsfähiger Hausanschluss allein garantiert noch keine hohe Datenrate an jedem Gerät.

Deutschland baut aus und bleibt im europäischen Vergleich zurück

Für die internationale Einordnung lohnt sich ein Vergleich mit demselben Maßstab. Die Europäische Kommission erfasst im Digital-Decade-Bericht 2026 die Glasfaserabdeckung bis zum Gebäude oder bis in die Wohnung, kurz FTTP. Die folgenden Werte beziehen sich einheitlich auf Mitte 2025 und auf den Anteil der Haushalte.

Land beziehungsweise Gebiet FTTP-Abdeckung Mitte 2025
Deutschland 44,0 Prozent
Europäische Union 74,1 Prozent
Niederlande 91,5 Prozent
Frankreich 91,7 Prozent
Spanien 96,0 Prozent

Deutschland hat sich gegenüber den 36,8 Prozent des Vorjahres deutlich verbessert. Dennoch lag es bei diesem Indikator weiterhin auf dem vorletzten Platz in der EU. Die Zahlen beschreiben die Verfügbarkeit eines Glasfaseranschlusses. Sie besagen nicht, dass in allen erfassten Haushalten bereits ein Vertrag genutzt wird oder die letzte Verbindung ins Haus schon hergestellt ist.

Die tatsächliche Nutzung zeigt eine andere Statistik: Die Bundesnetzagentur zählte Ende 2025 rund 6,4 Millionen aktive FTTH- und FTTB-Anschlüsse. Das entsprach 16,5 Prozent aller aktiven Festnetz-Breitbandanschlüsse in Deutschland. Dieser Anteil hat einen anderen Nenner und einen anderen Stichtag als die Abdeckungswerte in der Tabelle.

Auch Begriffe aus der Ausbaustatistik müssen auseinandergehalten werden: „Homes Passed“ bezeichnet Haushalte, an denen das Netz bereits vorbeiführt und die noch einen Hausanschluss benötigen können. „Homes Connected“ sind bis ins Gebäude oder in die Wohnung angeschlossene Haushalte. „Homes Activated“ nutzen den Anschluss tatsächlich. Ein gebautes Netz, ein angeschlossenes Haus und ein genutzter Internetzugang beschreiben somit verschiedene Schritte – genau diese Unterscheidung ist auch für den Ausbau in Seligenstadt entscheidend.

Quelle: Westconnect GmbH vom 6. Oktober 2026 und vom 18. September 2026, veröffentlicht durch die Einhardstadt Seligenstadt; Preisblatt Glasfaser-Hausanschluss, OFF-902_V1 01.25; Europäische Kommission, Digital Decade 2026 vom 17. Juni 2026; Bundesnetzagentur, Jahresbericht Telekommunikation 2025 vom 5. Juni 2026 und Verbraucherinformationen, abgerufen am 6. Oktober 2026; Ofcom, Evolution of fixed access networks vom 13. September 2023, jepu

Artikel teilen: