Kultur & Geschichte

Als Seligenstadt noch Kohle hatte

Seligenstadts Industriegeschichte umfasste einst auch Braunkohletagebau. Georg Giwitz hat dieses Kapitel jetzt aufgearbeitet.

Georg Giwitz stellte sein Buch „Braunkohlegrube Amalia Seligenstadt“ im großen Sitzungssaal des Seligenstädter Rathauses vor.

Was heute vor allem der Amaliasee und die Bergmannslore am Kreisel an der Steinheimer Straße in Erinnerung halten, war einst ein Stück Seligenstädter Industriegeschichte: Bis 1932 wurde nördlich der Stadt Braunkohle im Tagebau gewonnen. Georg Giwitz hat sich über Jahre auf Spurensuche begeben – und daraus ein 366 Seiten starkes Buch gemacht.

Das Wichtigste kompakt

Angefangen hat alles mit einem See

Dass aus seinen Nachforschungen einmal ein umfangreiches Buch werden würde, war zunächst gar nicht geplant. Der Ausgangspunkt lag nach Giwitz’ Erinnerung noch vor dem Jahr 2000. Damals wurde einem Verein, dem er angehörte, von der AEG der obere See zum Kauf angeboten. Weil Giwitz als geschichts- und archiverfahren galt, schickten ihn seine Vereinskollegen auf Spurensuche.

Damit begann eine Recherche, die sich über viele Jahre ziehen sollte. Von 2014 bis 2018 ruhte das Projekt weitgehend, weil Giwitz sich intensiv mit dem Ersten Weltkrieg und seiner Arbeit für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beschäftigte. 2018/19 nahm er die Arbeit an der Geschichte der Grube wieder auf.

14 Tage in Essen – geschlafen wurde im Auto

Für seine Nachforschungen blieb Giwitz nicht in Seligenstadt. Seine Suche führte ihn in zahlreiche Archive. Besonders eindrücklich schilderte er bei der Buchvorstellung einen zweiwöchigen Aufenthalt in Essen. Dort recherchierte er tagsüber in umfangreichen Aktenbeständen und übernachtete während dieser Zeit im Auto.

Die Unterlagen waren teilweise noch nicht einmal ordentlich erschlossen. Giwitz berichtete von Blechkisten mit unsortierten Akten, in denen er auch Material zu Seligenstadt fand. Weitere Recherchen führten ihn unter anderem nach Darmstadt und Frankfurt. Auch das Seligenstädter Stadtarchiv lieferte zahlreiche Quellen, darunter alte Zeitungen und Unterlagen zum örtlichen Kohlehandel.

Buchcover „Braunkohlegrube Amalia Seligenstadt“ von Georg Giwitz
Das 366-seitige Buch „Braunkohlegrube Amalia Seligenstadt“ von Georg Giwitz. Bild: Einhardstadt Seligenstadt.

Von Amalia führt die Geschichte zur Zeche Gustav

Je tiefer Giwitz in die Quellen einstieg, desto weiter verzweigte sich die Geschichte. Besonders wichtig wurde die Verbindung zwischen der Grube Amalia und der späteren Zeche Gustav auf der anderen Mainseite.

Die Namen führen nach Giwitz’ Recherchen zu Bergwerksdirektor Gustav Müller und dessen Frau Amalia. Müller ging davon aus, dass sich das Braunkohlevorkommen nicht am Main erschöpfte, sondern auf der anderen Seite fortsetzte. Bohrungen bestätigten dort weitere Kohlevorkommen. Später entstanden auch wirtschaftliche Verbindungen zwischen beiden Bergwerken.

Sollte für die Kohle sogar der Main verlegt werden?

Zu den ungewöhnlichsten Funden gehört ein weitreichender Plan für den Seligenstädter Mainbogen. Giwitz stieß nach eigenen Angaben in der „Frankfurter Zeitung“ auf Überlegungen, den Main hinter der Welzheimer Schleuse in einem neuen Kanal geradlinig in Richtung Hainstadt zu führen.

Der bestehende Mainbogen wäre damit vom Fluss abgeschnitten worden. Hintergrund waren nach Giwitz’ Darstellung die dort vermuteten großen Braunkohlevorkommen. Seine Recherchen zeigten ihm damit, welches wirtschaftliche Gewicht die Kohle zeitweise für die Gegend hatte.

Ein Buch wurde immer größer

Schon während der Arbeit merkte Giwitz, dass die Geschichte nicht auf die eigentliche Grube zu begrenzen war. Amalia führte zu Gustav, die Bergwerksgeschichte zur Eisenbahn und weiter zum Brückenbau. Zeitweise überlegte er deshalb, daraus mehrere Bücher zu machen.

Schließlich entschied er sich für ein einziges umfangreiches Werk. „Das ist mein Lebenswerk“, sagte Giwitz bei der Vorstellung.

Bürgermeister Dr. Daniell Bastian würdigte vor allem die jahrelange akribische Recherche und die Ausdauer des Autors. Für Giwitz selbst ist das Thema auch mit eigenen Erinnerungen verbunden: Das frühere Gelände der Grube Amalia sei in seiner Kindheit sein Spielplatz gewesen.

300 Exemplare sind gedruckt

„Braunkohlegrube Amalia Seligenstadt“ umfasst 366 Seiten und erscheint in einer Auflage von 300 Exemplaren. Für Konzeption und Gestaltung zeichnet die ME-Redaktion aus Groß-Zimmern verantwortlich.

Das Buch kostet 39 Euro und ist in der Tourist-Info, im Kaufhaus Mittl in der Aschaffenburger Straße, bei Der Buchladen in der Bahnhofstraße und bei Kunst & Kitsch, Kostbarkeiten & Kinkerlitzchen in der Aschaffenburger Straße sowie direkt bei Georg Giwitz erhältlich.

Quelle: Einhardstadt Seligenstadt vom 30. September 2026, jepu

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