Die Seligenstädter Kommunalpolitik hat eine Besonderheit: In der Stadtverordnetenversammlung sitzen mehrere Parteien – und ein Verein. Die Freien Wähler Seligenstadt sind keine Partei, sondern als eingetragener Verein organisiert. Und dieser Verein regiert derzeit mit: Seit der Kommunalwahl 2026 bilden CDU, FDP und FWS gemeinsam die Mehrheit im Seligenstädter Stadtparlament.
Die Geschichte der Freien Wähler ist eng mit einem Mann verbunden, der die Seligenstädter Kommunalpolitik über Jahrzehnte mitgeprägt hat: Jürgen Kraft gehörte 1988 zu den Gründungsmitgliedern. Bei der ersten Kommunalwahl der FWS im März 1989 erreichte die neue Wählervereinigung auf Anhieb 19 Prozent und acht Sitze in der Stadtverordnetenversammlung.
Wir sitzen in der Küche von Jürgen und Ellen Kraft in ihrem Wohnhaus an der Ellenseestraße. Nur wenige Meter entfernt hätte einmal jene innerstädtische Kernumfahrung verlaufen sollen, gegen die Kraft sich vor Jahrzehnten zu engagieren begann. Sein Gegenentwurf wurde zum politischen Lebensthema: eine vollständige Umgehungsstraße um Seligenstadt.
Zwei Bauabschnitte wurden Wirklichkeit. Der dritte sollte mehrere hundert Meter entfernt auf der anderen Seite der Bahnlinie entlangführen. Bis heute ist er nicht gebaut. Zwischen der Straße, die Kraft vor seiner Haustür verhindern wollte, und der Straße, für deren vollständigen Bau er anschließend jahrzehntelang kämpfte, liegt nahezu sein gesamtes kommunalpolitisches Leben.
Sein öffentliches Engagement hatte allerdings schon vorher begonnen – in der evangelischen Kirchengemeinde.
Vom Pfarrhaus nach Seligenstadt
Bevor wir zur Kommunalpolitik kommen: Wo hat dein öffentliches Engagement eigentlich angefangen?
Zunächst einmal in der Kirche. Ich stamme aus einem Pfarrhaus. Mein Vater war Pfarrer, und deshalb kannte ich natürlich auch die Strukturen und wusste, wie es in einem Pfarrhaushalt zugeht. Ich habe mich dann in der evangelischen Kirchengemeinde engagiert und war durchaus auch kritisch gegenüber unserem damaligen Pfarrer. Der Pfarrerberuf selbst wäre für mich damals überhaupt nicht infrage gekommen. Später habe ich manchmal gedacht, vielleicht wäre es doch etwas gewesen. Aber zunächst einmal war das überhaupt keine Option. Nach meiner Ausbildung in der Apotheke und dem sogenannten Vorexamen konnte ich schon Geld verdienen. Und dann habe ich hier in Seligenstadt eine Stelle gefunden.
Damit wurde Seligenstadt zu deinem Lebensmittelpunkt?
Ja. Und hier habe ich auch Ellen kennengelernt. Das war 1966 in der Fastnachtszeit. Wir waren schnell entschlossene Menschen. Im selben Jahr haben wir geheiratet. Jetzt haben wir Diamanthochzeit.
Eine Straße vor der eigenen Haustür
Und wie kam dann die Politik in dein Leben?
Das kam durch die geplante innerstädtische Kernumfahrung. Die Planungen müssen Mitte der 1960er-Jahre aufgekommen sein. Die Anwohner sollten damals Teile ihrer Grundstücke abgeben. Hier waren teilweise zwei Meter vorgesehen. Die Straße sollte durch bestehende Wohngebiete geführt werden. Eine Spur sollte durch den Steinweg laufen, die andere durch die Kapellenstraße. Bei der Schule sollte das wieder zusammenkommen und dann weiter Richtung Steinheimer Straße gehen. Dafür hätten die Leute Vorgärten und Grundstücksflächen abgeben müssen.
War es die Straße selbst, die den Widerstand ausgelöst hat, oder auch die Art des Verfahrens?
Beides. Es war auch die Art und Weise, wie das kommuniziert wurde. Das Heimatblatt war damals das amtliche Bekanntmachungsorgan der Stadt. Dort stand dann eine Bekanntmachung, dass die Planungsunterlagen zur „Verlegung der L 3065 innerhalb des Stadtgebietes“ im Bauamt einzusehen seien und dass innerhalb bestimmter Fristen Einsprüche erhoben werden könnten. Aber was sollte ein normaler Mensch mit dieser Formulierung anfangen? Was ist denn die „Verlegung der L 3065“? Daraus konnte man doch nicht ohne Weiteres erkennen, dass damit eine Straße gemeint war, die möglicherweise unmittelbar am eigenen Grundstück vorbeiführen sollte.
Dazu kamen Informationen unter den Anwohnern, wer angeblich schon zugestimmt hätte. Dann stellte sich teilweise heraus, dass mit den betreffenden Leuten noch gar nicht gesprochen worden war. Und irgendwann haben wir gesagt: So geht es nicht.
Die Bürgerinitiative gegen die Kernumfahrung
Das war der Beginn der Bürgerinitiative?
Ja. Die Anlieger haben sich zusammengeschlossen und eine Bürgerinitiative gegen diese Kernumfahrung gegründet. Ich war auch nicht von Anfang an Vorsitzender. Der Vorsitz wechselte, und irgendwann hieß es dann: Mach du es. So bin ich schließlich zum dritten Vorsitzenden der Bürgerinitiative geworden.
Wann habt ihr gemerkt, dass eine Bürgerinitiative allein nicht ausreichen würde?
Wir hatten natürlich versucht, Unterstützung zu bekommen, auch beim Land. Aber dort hieß es sinngemäß: Solange der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung sagen, das ist unsere Planung und das wollen wir so, können wir auf Landesebene nicht einfach etwas anderes machen.
Damit war für uns irgendwann klar: Es hat keinen Sinn, wenn wir nur als Bürgerinitiative von außen dagegenhalten. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir in das Parlament. Wir müssen dahin, wo die Entscheidungen getroffen werden. Das war der entscheidende Punkt.
Aus der Initiative werden die Freien Wähler
Eine von Jürgen Kraft nach dem Gespräch übermittelte Chronik der FWS klärt auch eine Unstimmigkeit auf der heutigen Internetseite der Freien Wähler. Die Gründungsversammlung fand demnach bereits am 6. Dezember 1988 im Frankfurter Hof statt. Ziel war ausdrücklich, zur anstehenden Kommunalwahl anzutreten, die damaligen Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament zu verändern und eine vollständige Ortsumgehung voranzutreiben.
Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Jürgen und Ellen Kraft unter anderem Hans-Peter Allmann, Karl Haas, Reinhold Reuter, Hildegard und Reinhold Scheid, Wolfgang Sprey sowie Ferdi, Karl und Ruth Stenger.
Dann ging es 1989 tatsächlich direkt ins Stadtparlament.
Ja. Und zwar mit acht Mandaten. Wir hatten bei der ersten Wahl 19 Prozent. Acht Mandate bei der ersten Wahl – Wahnsinn. Damals hatten wir außerdem zwei Sitze im Magistrat. Im Parlament waren CDU, SPD und Freie Wähler vertreten, und zusammen mit der SPD hatten wir eine Stimme Mehrheit. Das war natürlich plötzlich eine ganz andere Situation.
Warum die „komplette“ Umgehungsstraße wichtig war
Was war damals das zentrale politische Ziel der Freien Wähler?
Die Umgehungsstraße. Ganz eindeutig. Aber eben nicht einfach irgendeine Umgehungsstraße, sondern die komplette Umgehungsstraße.
Das war uns so wichtig, dass wir deswegen sogar Tausende Wahlflyer neu gedruckt haben. Wir hatten ungefähr 7000 Stück drucken lassen, und darauf stand nur „Umgehungsstraße“. Dann sagte ein Mitglied: „Passt auf. Das reicht nicht. Wenn da nur Umgehungsstraße steht, kann irgendwann einer einen Teil bauen und anschließend sagen: Da habt ihr doch eure Umgehungsstraße. “
Also haben wir die Flyer weggeworfen und neue drucken lassen. Danach stand darauf: komplette Umgehungsstraße. Das war immer das Hauptziel.
Aus einem Thema wird Kommunalpolitik in ihrer ganzen Breite
Aber sobald man im Parlament sitzt, kann man sich natürlich nicht nur mit einer Straße beschäftigen.
Nein. Dann muss man sich mit allem beschäftigen: Kindergärten, Schwimmbad, Vereine, Haushalt, Baugebiete, Gebühren – die ganze Bandbreite der Kommunalpolitik. Man trägt Entscheidungen mit, man entscheidet Dinge mit und arbeitet sich in Themen ein, mit denen man vorher vielleicht überhaupt nichts zu tun hatte. Aber wenn du mich fragst, was für mich persönlich über all den Jahren die größte Bedeutung hatte, dann komme ich immer wieder auf die Umgehungsstraße zurück.
Gab es trotzdem andere Projekte, bei denen du heute sagst: Da war es wichtig, dabei gewesen zu sein?
Zum Beispiel die Planung des Gebiets Westring. Damals gab es eine Zusammenarbeit von SPD, FDP und Freien Wählern. Bei der Planung waren wir der Ansicht, dass man das nicht einfach zusätzlich über das städtische Bauamt laufen lassen sollte. Wir haben gesagt: Das Bauamt hat schon genug zu tun, und für so etwas braucht man Fachleute, die ständig Stadtplanungen dieser Größenordnung machen. Deshalb haben wir uns dafür eingesetzt, ein entsprechendes Planungsbüro einzuschalten. Das war mir schon wichtig.
Bürgermeisterwahl und wechselnde Mehrheiten
Die acht Mandate von 1989 konntet ihr bei den folgenden Wahlen nicht halten.
Nein. Das ging zurück. 1993 hatten wir noch 15,2 Prozent und sechs Sitze. 1997 waren es vier und 2001 nur noch zwei. Politik verändert sich. Es gibt Zusammenarbeit, und irgendwann gibt es auch wieder Auseinandersetzungen. Wir haben beispielsweise 1991 Rolf Wenzel bei der Bürgermeisterwahl unterstützt. Das war damals noch eine Wahl durch das Parlament. Später kam die Direktwahl.
Mit der SPD haben wir anschließend eine Zeit lang zusammengearbeitet. Aber dann kam es wegen der rückwirkenden Grundsteuererhöhung zum Bruch. Das haben wir nicht mitgetragen. Politisch hat uns das am Ende aber nicht unbedingt genutzt. Das ist auch etwas, was man in der Politik lernen muss: Man kann eine Entscheidung aus voller Überzeugung treffen, und trotzdem honorieren die Wähler das anschließend nicht unbedingt.
Der dritte Bauabschnitt als große Enttäuschung
Zwei Abschnitte der Umgehung gibt es inzwischen. Der dritte fehlt. Wie groß ist die Enttäuschung darüber?
Groß. Gerade in den letzten Jahren ging es für mich immer wieder um diesen dritten Bauabschnitt. Es gab irgendwann eine Streckenführung, bei der Hessen Mobil gesagt hat: So könnte man das machen. Die Planung musste natürlich Rücksicht auf Naturschutzgebiete und andere Bedingungen nehmen. Man kann so eine Straße ja auch nicht beliebig weit nach außen legen.
Dann entstand aber wieder Widerstand gegen diese Trasse. Es gab Anwohner und Kleingärtner, die damit nicht einverstanden waren, und die Diskussion um Bürgerbefragung und Bürgerentscheid. Aus meiner Sicht haben wir dadurch viel Zeit verloren.
Warum hat eine vergleichsweise kurze politische Auseinandersetzung so langfristige Folgen?
Weil die Planung in der Zwischenzeit liegen bleibt. Wenn bei Hessen Mobil der Eindruck entsteht, dass vor Ort überhaupt nicht klar ist, ob die Stadt diese Straße noch will, dann wird dort natürlich nicht mit voller Kraft weitergearbeitet. Und wenn man einmal Zeit verloren hat, holt man sie nicht einfach wieder auf. Gutachten werden älter. Dann heißt es irgendwann: Dieses Gutachten kann man so nicht mehr verwenden, es muss aktualisiert werden. Dann kommen neue Anforderungen dazu. So gehen Jahre verloren. Das ist ja die bittere Erfahrung nach all dieser Zeit.
„Die Möglichkeiten einer Kommune sind sehr eng begrenzt“
Du hast Kommunalpolitik über Jahrzehnte erlebt. Hat sich dein Blick darauf verändert, was eine Stadt überhaupt gestalten kann?
Ja. Man merkt irgendwann, dass die Möglichkeiten einer Kommune sehr eng begrenzt sind. Die Hauptarbeit besteht oft darin, mit dem bisschen Geld, das man hat, die Dinge zu finanzieren, die finanziert werden müssen. Die Kindergärten müssen bezahlt werden. Ein Schwimmbad will man haben und der Bevölkerung auch gönnen, also muss man Geld zuschießen. Die Vereine brauchen Unterstützung. Und irgendwo muss noch etwas übrig bleiben.
Es gab sogar Zeiten, in denen wir sagen mussten: Dieses Jahr können wir die Vereinsförderung nicht so machen. Es geht einfach nicht. Dazu kommt, dass Bund und Land den Städten und Gemeinden viele Aufgaben und Vorgaben machen. Dadurch wird der eigene Spielraum immer enger. Und dann macht Kommunalpolitik manchmal auch keinen Spaß mehr.
Wenn am Ende nur die Grundsteuer bleibt
Seligenstadt hat eigentlich gute Voraussetzungen. Trotzdem wird es finanziell immer schwieriger. Wo siehst du das Problem?
Wenn die Stadtkasse leer ist, bekommt man von oben schnell gesagt: Erhöht doch die Grundsteuer. Aber das kann man der Bevölkerung nicht immer weiter zumuten. Irgendwann kann man nicht noch einmal sagen: Jetzt erhöhen wir die Grundsteuer wieder.
Verstehen die Menschen überhaupt, welche Kosten die Stadt selbst beeinflussen kann und welche nicht?
Das ist schwer zu verstehen. Wir hatten einmal eine öffentliche Fraktionssitzung. Da ging es um geplante Erhöhungen bei den Wasser- und Abwassergebühren. Wir haben die Leute eingeladen. Wir wollten erklären, worum es geht, und mit ihnen darüber reden. Weißt du, wie viele gekommen sind?
Nein.
Null. Keiner. Aber wenn später der Bescheid da ist und die Leute sehen, was sie bezahlen sollen, dann wird geschimpft. Das ist eine Erfahrung, die man macht: Solange Entscheidungen noch abstrakt sind, interessieren sie viele Menschen nicht. Wenn sie sich dann unmittelbar im Geldbeutel bemerkbar machen, sieht es anders aus.
Vom Stadtparlament in den Magistrat
Du bist 1989 in die Kommunalpolitik eingezogen und warst zuletzt fünf Jahre Mitglied des Magistrats. Wie hast du diese andere Rolle erlebt?
Das ist natürlich noch einmal eine andere Perspektive. Im Riesen sitzt der Magistrat während der Stadtverordnetenversammlung oben auf der Bühne und die Stadtverordneten sitzen unten. Da hat man tatsächlich einmal den Blick über das ganze Parlament. Und wenn ich mir in den vergangenen Jahren die Abstimmungen angesehen habe, war schon häufig zu erkennen, dass CDU, FDP und Freie Wähler in Sachfragen ähnlich abgestimmt haben. Deshalb kam die jetzige Zusammenarbeit nach der Kommunalwahl für mich auch nicht völlig überraschend. Aber die Entscheidung darüber hat die heutige Fraktion getroffen. Das ist auch richtig so.
Ein Abschied, der keiner ganz ist
Nach der Kommunalwahl 2026 bist du aus dem Magistrat ausgeschieden. War das deine eigene Entscheidung?
Wir hatten vorher schon darüber gesprochen. Aufgrund meines Alters wurde es einfach zunehmend anstrengend. Allein die Treppen im Rathaus: Wenn ich die Stufen vom Marktplatz aus mitzähle, komme ich auf über 40. Das jedes Mal zu den Sitzungen hoch und wieder herunter – Bewegung ist natürlich grundsätzlich gut, aber irgendwann wird es einem zu viel.
Dann kam der Vorschlag, dass eine jüngere Generation übernehmen sollte. Und irgendwo erreicht man ein Alter, in dem man sagen muss: Jetzt reicht es.
Ist dir diese Entscheidung trotzdem schwergefallen?
Ja. Das Ausscheiden ist mir nicht leichtgefallen. Auf der einen Seite habe ich eingesehen, dass es richtig ist. Aber auf der anderen Seite – es war ja das Leben.
„Die Freiheit habe ich jetzt“
Ganz losgelassen hast du die Freien Wähler aber nicht.
Nein. Zu den Fraktionssitzungen werde ich normalerweise eingeladen. Wenn es geht, bin ich auch dabei. Aber ich kann jetzt eben auch einmal sagen: Heute gehe ich nicht hin. Die Freiheit habe ich jetzt.
Ich bin weiterhin informiert und lasse mich auch gerne informieren. Und natürlich sage ich meine Meinung zu den Themen, die gerade behandelt werden. Aber entscheiden und verantworten muss die jetzige Fraktion. Das ist ihre Aufgabe.
Eine neue Generation übernimmt
Ist es für dich wichtig, dass jetzt Jüngere nachrücken?
Natürlich. Irgendwann muss eine jüngere Generation übernehmen. Man kann Erfahrungen weitergeben. Man kann sagen: Das haben wir damals so gemacht, da gab es diese Probleme, darauf solltet ihr vielleicht achten. Aber am Ende müssen diejenigen entscheiden, die heute gewählt sind. Das gehört dazu.
Was würdest du den Jüngeren bei den Freien Wählern – und vielleicht überhaupt Menschen, die heute in die Kommunalpolitik gehen – aus deiner Erfahrung mitgeben?
Auf jeden Fall alles kritisch hinterfragen. Und nicht zu ungeduldig sein. Gerade parlamentarische Entscheidungen dauern manchmal ewig. Als wir 1989 angefangen haben, wurde im Parlament eine Änderung eines Bebauungsplans endgültig beschlossen. Und dann habe ich gesehen, dass dieses Verfahren schon Jahre vorher begonnen hatte.
Da muss die eine Behörde gefragt werden, dann die nächste. Es müssen Fristen eingehalten werden, Dinge gehen in verschiedene Gremien. Das kann unheimlich lange dauern. Das haben wir auch bei der Umgehungsstraße erlebt. Da waren sich teilweise schon verschiedene Behörden untereinander nicht einig. Man lernt irgendwann: Man muss dranbleiben.
Erfahrungen auch außerhalb des Stadtparlaments
Du hast staatliche Verfahren nicht nur als Kommunalpolitiker kennengelernt.
Nein. Ich war auch einige Jahre Schöffe beim Amtsgericht Offenbach. Auch da habe ich erlebt, was passiert, wenn in einem Verfahren irgendwo ein Schritt fehlt oder etwas nicht richtig geprüft worden ist. Dann sitzt man da, eine Verhandlung wird unterbrochen, es braucht ein Rechtsgespräch und plötzlich entwickelt sich ein Verfahren ganz anders. Das ist in vielen Bereichen ähnlich: Verfahren müssen sauber gemacht werden, und das braucht manchmal sehr viel Zeit. Deshalb sage ich auch den Jüngeren: kritisch bleiben, genau hinschauen – aber nicht glauben, dass sich alles von heute auf morgen verändern lässt.
Und am Ende wieder die Umgehungsstraße
Wenn du dir nach all diesen Jahrzehnten Kommunalpolitik für Seligenstadt noch eine Sache wünschen könntest – außer der Umgehungsstraße?
Außer der Umgehungsstraße? Das ist schwierig.
Dann darf es auch die Umgehungsstraße sein.
Die komplette Umgehungsstraße. Was denn sonst?
Lieber Jürgen, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Jessica Purkhardt für Seligenstadt Kompakt. Sie und Jürgen Kraft kennen sich persönlich und duzen sich deshalb im Interview.
jepu