Wer im Dienst nur wenig Zeit für einen Einkauf hat, soll in Seligenstadt künftig schneller an die Reihe kommen. Eine neue Aktion bittet Kundinnen und Kunden, Einsatzkräfte an der Kasse vorzulassen.
Das Wichtigste kompakt
- Stadt, Gewerbeverein sowie Seligenstadt Marketing & Tourismus haben die Aktion „Rettungsgasse an der Kasse“ gestartet.
- Kundinnen und Kunden sollen Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei im Dienst beim Bezahlen vorlassen.
- Örtliche Bäckereien, Metzgereien und Gastronomiebetriebe beteiligen sich bereits; Aufsteller weisen an den Theken auf die Aktion hin.
- Die Aktion setzt ein sichtbares Zeichen für Respekt und Wertschätzung gegenüber Einsatzkräften.

Mehr Zeit in kurzen Dienstpausen
Einsatzkräfte müssen auch in Pausen jederzeit mit einem Alarm rechnen. Wenn sie sich während des Dienstes kurzfristig mit Essen und Getränken versorgen, kann das Warten an der Kasse deshalb wertvolle Zeit kosten. Die Kampagne wirbt dafür, ihnen mit einer kleinen Geste den Vortritt zu lassen.
Die Aufsteller tragen den Hinweis: „Rettungsgasse an der Kasse – bitte machen Sie mit und gewähren Einsatzkräften im Dienst an der Kasse Vorrang.“
Stadt wirbt für Aufmerksamkeit und Rücksicht
Bürgermeister Dr. Daniell Bastian will mit der Kampagne dazu ermuntern, Einsatzkräften auch im Alltag aufmerksam zu begegnen. Das Vorlassen an der Kasse mache im oft stressigen Dienst einen Unterschied.
Erster Stadtrat Oliver Steidl betont, die Helferinnen und Helfer müssten jederzeit abrufbereit sein. Die Rücksichtnahme der Kundschaft schenke ihnen Zeit und zeige zugleich Wertschätzung für ihre Arbeit.
Respekt ist keine Selbstverständlichkeit
Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund. Belastbare Statistiken erfassen zwar nicht, wie die Bevölkerung insgesamt über Einsatzkräfte denkt. Sie zeigen aber, wie häufig fehlender Respekt in Beleidigungen, Bedrohungen oder Angriffen endet. Nach Angaben des Hessischen Innenministeriums wurden 2023 in Hessen 171 Rettungskräfte und 24 Feuerwehrleute Opfer einer Straftat. Hinzu kamen 5.056 Polizeibeschäftigte – nach Darstellung des Landes damalige Höchstwerte.
In Seligenstadt stehen dem sichtbare Zeichen der Anerkennung gegenüber. Am Tag des Respekts 2025 würdigte das Land im Kloster die 180 Feuerwehrleute und 15 Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienstes, die den Brand im Betriebshof des Klosters bekämpft hatten. Mit der „Rettungsgasse an der Kasse“ wird Wertschätzung nun in eine kleine Alltagshandlung übersetzt: Wer Einsatzkräfte im Dienst vorlässt, hilft ihnen Zeit zu sparen und zeigt, dass ihr Dienst an der Gemeinschaft gesehen wird.
Aufsteller bei teilnehmenden Betrieben
Zahlreiche Bäckereien, Metzgereien und Gastronomiebetriebe in Seligenstadt beteiligen sich bereits. Die Aufsteller stehen gut sichtbar an den Verkaufstheken.
Silke Göbel von der Seligenstadt Marketing & Tourismus GmbH und Wolfgang Reuter vom Gewerbeverein danken den teilnehmenden Betrieben für ihre Unterstützung.
Quellen: Stadt Seligenstadt vom 18. September 2026; Hessisches Innenministerium zum Respekt-Paket; Hessisches Innenministerium vom 18. September 2025, jepu